Sie haben einen Menschen verloren, der Ihnen nahe stand. Das ist eins der schlimmsten Erlebnisse im Leben.
Um Ihnen zu helfen, Ihre Gefühle und das was mit Ihnen geschieht, besser einordnen zu können, haben wir hier für Sie einige Informationen zusammengestellt:
Unter Trauer verstehen wir diejenigen psychischen Reaktionen, die nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen durch dessen Tod auftreten können.
Typische allgemeine Trauersymptome sind - sofern keine anderen Ursachen vorliegen - Atemprobleme, Kraft-, Appetit- und Schlaflosigkeit, eine intensive Beschäftigung mit dem Bild des/der Verstorbenen, Schuldgefühle, Selbstbeschuldigungen, Depressionen, aggressive Reaktionen gegen andere und Verhaltensänderungen verschiedenster Art. Beobachtet worden sind ebenfalls Leeregefühle im Magen, Brustbeklemmungen, Gefühle von Zugeschnürtsein der Kehle, Überempfindlichkeit gegen Lärm, das Gefühl "neben sich zu stehen", Atemlosigkeit und Kurzatmigkeit, Muskelschwäche, Energiemangel und Mundtrockenheit.
Trauer ist keine Krankheit. Wenn sie aber verdrängt wird, kann sie krank machen.
Trauer ist schmerzhaft und braucht viel Zeit. Nach dem Tod eines nahen Menschen liegen alle ehemaligen Berührungspunkte und Verbindungslinien zum anderen wie offene Wunden da. Derjenige, der zurückbleibt, fühlt sich beraubt und unvollständig. Er muss viele kleine schmerzvolle Abschiede vom Vertrauten durchleben und verarbeiten.
Trauer betrifft, wie das Sterben auch, alle Dimensionen des Menschseins. Sie hat körperliche, geistig-seelische, spirituelle und soziale Auswirkungen. Neben den schon erwähnten Symptomen können Trauernde auch unter Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Halluzinationen, Gefühlen der Leere, der Wut und der Verbitterung leiden. Sie hadern mit Gott und erfahren, dass Bekannte und Freunde sich zurückziehen.
Da bei Erhalten der Todesnachricht das vollständige Erleben des schmerzlichen Verlustes Körper und Geist überfordern und zum Zusammenbruch führen würde, verfügen wir über einen Schutzmechanismus, der uns hilft, den Verlust in kleinen Schritten zu erfahren und begreifen.
In dieser Schockphase will der Hinterbliebene meist den Verlust nicht wahrhaben. Er kann nicht verstehen, wie und warum dieses furchtbare Geschehen eintreten konnte. Das Leben ohne den Verstorbenen bedeutet für ihn eine Zukunft in Einsamkeit, Leid und Schmerz. Damit dieses langsam und schrittweise ins Bewusstsein gelangt, wird die Wahrnehmung gedämpft. Das Weinen dient dabei der Abfuhr der aufgestauten Erregung und ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers, um uns vor den unmittelbaren Folgen eines Schmerzes zu schützen, den wir als übermächtig erleben.
In diese Zeit fällt die Erledigung von "Formalitäten", wie der Einleitung und Durchführung der Bestattung, die manche Menschen "wie im Traum" erleben. Dabei sind diejenigen später bei der Verarbeitung der Trauer im Vorteil, die die Möglichkeit hatten, ihren Verstorbenen als Toten wahrzunehmen (die Realität des Todes zu be-greifen) und von ihm in Ruhe Abschied zu nehmen. Im Gegensatz dazu fällt es denjenigen, die den Verstorbenen plötzlich - etwa durch Unfall - verloren haben und ihn nicht mehr als Toten sehen konnten, oft schwerer ihre Trauer zu bewältigen, weil sie häufig Schwierigkeiten haben, den Tod der Angehörigen oder des Freundes wirklich zu glauben.
Nach der Beisetzung beginnt die Zeit der eigentlichen Trauer. Vielleicht wird jetzt der Verlust zum ersten Mal in seinem ganzen Ausmaß bewusst. Es kann zu Gefühlsaufwallungen und Gefühlsschwankungen kommen, zum Auflehnen gegen den Verlust und zu erschreckenden und verwirrenden Wahrnehmungen, der Angst, nicht mehr " normal " zu sein: Der Verstorbene wird in Menschenmengen, in der Öffentlichkeit "gesehen", man "hört" den Schlüssel in der Haustür oder am Garagentor oder "seine Schritte" auf der Treppe. Doch Trauer ist ein ganz "normaler" psychischer Ausnahmezustand, der nichts mit "Verrücktsein" im Sinne von Geistesgestörtheit zu tun hat. Er rührt daher, dass viele Einzelheiten des alltäglichen Lebens durch den Tod verrückt, d.h. verschoben sind. Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie häufige intensive Träume von der Verstorbenen können die Gefühlsverwirrung noch verstärken.
Die Verarbeitung der Trauer ist eine der schwersten Aufgaben für einen Menschen. Sie ist eine aktive Auseinandersetzung mit der ganzen gemeinsamen Vergangenheit von Trauernden und Verstorbenen. Jede winzige Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse ist ein kleiner Mosaikstein der inneren Verarbeitung des Verlustes. Dabei tut es Trauernden gut, wenn sie stützende Hilfe in Anspruch nehmen können. Häufig aber ziehen sich Freunde und Bekannte zurück oder der Hinterbliebene meidet den Kontakt, weil die Umwelt als verständnislos und unbefriedigend erlebt wird.
Da Trauer ein - schmerzhafter - innerpsychischer Vorgang ist, der ein aktives Handeln der Trauernden erfordert, sind Beruhigungsmittel über einen längeren Zeitraum oft nicht hilfreich. Eine gut gemeinte Medikation bei den häufigsten Trauersymptomen wie Angstzuständen, Unruhe und Schlafstörungen, kann - je nach Medikament - nach Absetzen des Mittels gegebenenfalls die Symptome verstärken, gegen die es eingesetzt war. Zudem kann ein ruhiggestellter Trauernder seine Trauer nicht erleben und verarbeiten. Ihm wird dadurch eventuell die Chance genommen, zum Ende der Trauer zu gelangen.
Nach ungefähr einem Jahr erscheint vielen Trauernden der Verlust nicht mehr ganz so schlimm wie zu Beginn. Doch Trauer ist ein sehr individueller Prozess, demzufolge jeder seinen ganz eigenen Zeitraum der Trauerverarbeitung hat.
Wichtig zur Beurteilung, ob es sich um einen "problematischen" Trauerverlauf handelt, bei dem die Trauer niemals zu enden scheint, ist nicht die Zeit der Trauer, sondern die Frage, ob sich im Gefühl der Trauernden etwas ändert. Nur in den Fällen, in denen überhaupt keine Veränderung eintritt oder alles nur noch schlimmer wird, besteht die Gefahr einer "problematischen Trauer" und möglicher psychischer oder körperlicher Folgeerkrankungen.
TrauerberatungDie Trauerberatung von Pfr. Maas ist eine Hilfe für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen mit dem Tod eines nahestehenden Menschen - auch nach Jahren - nicht fertig werden und deren Leben seitdem von der Suche und der Sehnsucht nach dem/der Verstorbenen bestimmt ist.
Trauerberatung soll nicht die Trauer nehmen, sondern sie versucht, die Lebenskrise und den Übergang in ein anderes Leben ohne den verlorenen Partner während der Trauer zu begleiten und zu erleichtern, sowie zu verhindern, dass sie zu ernsten Erkrankungen führen.
Informationen für Menschen, die mit ihren Kindern über den Tod sprechen wollenSollten Sie Fragen haben oder Hilfe suchen, wenden Sie sich bitte an
Pfr. Maas, Tel.
02405 62-7351