EinBlick in die Pflege

Im Rhein-Maas Klinikum arbeiten rund 650 Mitarbeiter und 120 Auszubildende im Pflegedienst. Die Tätigkeiten der Pflegekräfte unterteilen sich in die Grund-, die Behandlungs- sowie die spezielle Pflege. Neben diesen Haupttätigkeiten kommt es zu einer Vielzahl von begleitenden Aufgaben. Hierzu zählen Serviceleistungen sowie Sekretariats- und Administrationstätigkeiten. Das braucht Zeit, die doch eigentlich für die direkte Pflege zur Förderung der Gesundung unserer Patienten genutzt werden sollte.
Die Pflegedirektion des Rhein-Maas Klinikums hat hierzu Konzepte erarbeitet, um den Pflegenden mehr Zeit für die Patientenversorgung zu sichern.

„Entlastungskonzepte“ zur Förderung  der pflegerischen Kernarbeit

Um eine hohe Pflegequalität sicherzustellen, hat das Rhein- Maas Klinikum „Entlastungskonzepte“ für die Pflegefachpersonen  entwickelt. Mit ihnen wurde einiges umstrukturiert  und so auch manche neue Stelle geschaffen.
Ein Pilotprojekt war die Einführung der Case Manager. Sie sind im Krankenhaus gleichzeitig die Lotsen für die Patienten und die Mitarbeiter. Sie koordinieren alle Abläufe von der Aufnahme bis zur Entlassung und steuern das Bettenmanagement. Sie sind Ansprechpartner für die Kontaktaufnahme zwischen Arztpraxen und dem Krankenhaus. So sind die beruflich Pflegenden weniger in Terminabsprachen involviert.

Frischer Wind auch auf den Stationen

Seit Anfang 2015 werden Stationssekretärinnen und Stationsassistentinnen  in den Pflegebereichen eingesetzt. Sie sind Teil eines umfassenden Patientenservicekonzepts. Die neuen Mitarbeiter entlasten die Pflegefachkräfte von den sogenannten  „pflegefremden“ Aufgaben, unterstützen durch Pflegehilfstätigkeiten und umsorgen die Patienten in stabilen Pflegesituationen freundlich und kompetent. So können sich die Pflegekräfte stärker auf ihre Kernarbeit konzentrieren, die Pflege und fachgerechte Versorgung von Menschen mit zum Teil sehr hohem Pflegebedarf.
Die Stationsassistentinnen kümmern sich beispielsweise um die Speisenauswahl aller Patienten im Haus. Mithilfe eines  automatisierten Bestellsystems nehmen sie alle Essenswünsche der Patienten auf einem Tablet-Computer auf und haben  dadurch für sie mehr Zeit und ein offenes Ohr.
Die Sekretärinnen sind in der Leitstelle der jeweiligen Station tätig und übernehmen dort zahlreiche administrative und organisatorische Tätigkeiten, die bislang ebenfalls der Pflege zugeordnet waren. Mittlerweile sind rund 50 Stationsassistentinnen  und 15 Sekretärinnen für Sie im Einsatz.

Logistische Entlastungen

Ein weiteres Beispiel im Entlastungsprogramm für die Pflege sind Versorgungsassistenten. Diese wurden in den verschiedenen Bereichen etabliert, um Lagerbestandsware zu bestellen und aufzufüllen. Eingeführt wurde in der logistischen Entlastung auch die „mobile Apotheke“.
Vier Mitarbeiter konnten über das betriebliche Eingliederungsmanagement nach längerer Krankheit erfolgreich wieder in verschiedenen Pflegebereichen eingesetzt werden. In neu geschaffenen Stellen versorgen sie nun die Pflegebereiche mit Medikamenten und übernehmen die Rolle der erweiterten und mobilen Apotheke. Darüber hinaus gibt es auch Patiententransportdienste, die Bett- und Rollstuhltransporte übernehmen. Sie sind speziell in Reanimations- und Lagerungsmaßnahmen geschult. Erwähnt werden muss auch das „Phlebo-Team“, das die Blutentnahmen in den Pflegebereichen durchführt.

Die Zukunft der Pflege – das Rhein-Maas Klinikum stellt sich vor

Der Beruf muss mit all seinen Besonderheiten für Interessierte attraktiver gestaltet werden. Denn trotz modernster und bester Pflege- und Medizintechnik brauchen wir qualifizierte und engagierte Menschen, die sie im Dienste der Patienten anwenden können. Hier sehen wir uns mit unseren Konzepten auf einem sehr guten Weg. Zur weiteren Unterstützung unseres Teams suchen wir durchgehend examinierte Pflegekräfte und Pflegenachwuchs. Bewerbungen nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Gerne können Sie uns auch einfach anrufen.

Beata Fucz-Nowak

Pflegedirektorin
Tel. 02405 62-3820
Fax 02405 62-3545
E-Mail
Beata Fucz-Nowak© Rhein-Maas Klinikum
Sibylle Schmitz zu Anforderungen, Aussichten und Motivation  diesen Beruf auszuüben.

Perspektive Pflegeberuf. Warum sollte sich ein junger Mensch für diesen Beruf entscheiden?

Sibylle Schmitz: Die Pflege ist ein attraktives Berufsfeld. In  der Öffentlichkeit wird sie oft auf Tätigkeiten wie Waschen  und Essen anreichen reduziert, dabei  ist sie viel mehr. Ansprüche und  Anforderungen an Pflegende sind  in den letzten Jahren erheblich gestiegen.  Pflegende müssen nicht  nur fachlich kompetent, sondern  auch besonders empathisch sein.  Sie müssen Bedürfnisse wahr- und  annehmen und dann umsetzen.  Sie müssen vertrauenerweckend  sein, Geborgenheit schenken können.  Besonders wichtig ist, dass sie  den Patienten, die sich in einer für  sie sehr besonderen Situation befinden,  Scham und Ängste nehmen,  um unangenehme Situationen  lösen zu können. Darüber  hinaus benötigen Pflegende technisches  Verständnis für Operationen und die Anwendung  verschiedener Geräte.

Vor welchen Herausforderungen stehen Pflegende heute?

Sibylle Schmitz: Vor dem Hintergrund einer immer älter  werdenden Bevölkerung stehen Pflegende Patienten bei, die  häufig mehr als ein Krankheitsbild aufweisen, die sogenannte  Multimorbidität. Entsprechend ist es unabdingbar, dass  eine gute Pflegekraft umfassende Kenntnis über unterschiedlichste
Krankheitsbilder hat. Eine Kernkompetenz ist  die Kommunikation. Nicht nur gegenüber den Patienten und  Angehörigen ist sie wichtig, sie stärkt auch die Teamfähigkeit  einer Pflegeperson, eine weitere, wichtige Säule der guten  Pflege. Weitere Herausforderungen sind die zunehmende,  zum Teil hoch spezialisierte Technisierung und die rasant fortschreitende  kontinuierliche wissenschaftliche Entwicklung in  der Diagnostik und Therapie. Deshalb ist es essenziell, das erlernte  Wissen permanent aufzufrischen. Eine gute Pflege besteht  auch aus Managementaufgaben und dem Delegieren  dieser.

Wenn Sie junge Menschen für den Beruf gewinnen wollen, was sagen Sie ihnen dann?

Sibylle Schmitz: Der Pflegeberuf ist und bleibt jeden Tag  immer wieder vielseitig, abwechslungsreich, spannend, anspruchsvoll  und – krisensicher! Angesichts der demografischen  Entwicklung ist klar, dass in Zukunft erheblich  mehr Pflegende ausgebildet und eingestellt werden  müssen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es denn für Pflegende?

Sibylle Schmitz: Ich bin immer wieder überrascht, dass viele  Bewerber glauben, die nächste und einzige Karrierestufe  nach der Pflegeausbildung sei das Medizinstudium. Da hat  sich viel geändert. Bereits unmittelbar nach der staatlichen  Abschlussprüfung oder nach einigen Jahren pflegeberuflicher  Praxis besteht immer die Möglichkeit, an verschiedenen  Fort- und Weiterbildungen teilzunehmen oder bei entsprechenden  Voraussetzungen ein Studium in der Pflegewissenschaft,  im Pflegemanagement, in der Gesundheitsökonomie  o. a. zu absolvieren, sogar mit der Möglichkeit zur Promotion  und dem Erlangen einer Hochschulprofessur.

Warum sollten an der Pflegeausbildung Interessierte eine Ausbildung im Rhein-Maas Klinikum beginnen?

Sibylle Schmitz: Wenn ich unsere Auszubildenden hin und  wieder frage: „Was gefällt Ihnen denn am Pflegeberuf?“, antworten  die meisten: „Die Patienten sind so dankbar. Die freuen  sich, wenn ich komme und ihnen helfe.“ Oder: „Ich finde  es schön, wenn jemand wieder gesund  geworden ist und ich dazu  beitragen durfte.“ Oder: „Das Arbeiten  im Team finde ich klasse.“  Natürlich freuen wir uns auch,  wenn die Auszubildenden zu Beginn  des Theorieblocks sagen: „Ist  auch wieder schön, in der Schule zu  sein!“

Wie bewerbe ich mich, wenn ich interessiert bin?

Sibylle Schmitz: Wir nehmen die  Bewerbungen fortlaufend an und  führen auch ganzjährig Vorstellungsgespräche.  Jede eingehende  Bewerbung wird nach folgenden  Kriterien geprüft: Motivation für den Pflegeberuf, schulische  Zugangsvoraussetzung, Höhe der entschuldigten und ggf.  unentschuldigten Fehlzeiten, Vorerfahrungen im Pflegebereich,  Vorstellungen von der theoretischen und praktischen  Ausbildung, der Ausbildung und dem Pflegeberuf angemessene  Belastbarkeit, Kenntnisse/Erfahrungen hinsichtlich Vorund  Nachteilen des Pflegeberufes. Die Mindestzugangsvoraussetzung  ist die Fachoberschulreife (FOR). Die  gesundheitliche Eignung muss auch gegeben sein.

Unser Ziel ist: Jeder, der die Pflegeausbildung bei uns beginnt,  soll erfolgreich das Examen bestehen – und das haben wir in  den zurückliegenden Jahren auch erreicht.  

Sibylle Schmitz M. A.

Leitung der Schule für Pflegeberufe
Tel.: 02405 62-4144
oder -4121
E-Mail
Sibylle Schmitz, M.A.© Rhein-Maas Klinikum
Wenn Ibrahima Sory Comara lacht, geht die Sonne auf. Er hat  einfach etwas ansteckend Positives. Dabei hätte er allen  Grund, „nicht gut drauf zu sein“. Ganze zwei Jahre besuchte  der Junge die Schule, machte sich mit 13 Jahren allein von  Guinea auf den Weg nach Europa, letztlich nach Deutschland.  Vier Jahre brauchte der junge Mann, um über Mali,  Mauretanien, Marokko, Spanien, Frankreich und Belgien  nach Deutschland zu kommen. Er hat sich alles selbst erarbeitet  – und selten im Leben so viel positive Unterstützung  erhalten wie in den letzten Jahren.  Heute wohnt er bei einer Pflegefamilie  in Herzogenrath. „Aber es war  meine Mutter in Guinea, die zu mir  sagte: ‚Wenn du was machst im Leben,  hilf alten Menschen'. Daran habe  ich mich gehalten." Einstieg in seine  heutige Ausbildung war ein vierwöchiges  Praktikum in der Geriatrie  des Rhein-Maas Klinikums. Und  hier wurde Ralph Wagner auf ihn  aufmerksam gemacht. Denn die  mangelhaften Deutschkenntnisse  hätten für den 20-jährigen  Ibrahima  Sory Comara zum Stolperstein für die einjährige Ausbildung  zum staatlich geprüften Pflegeassistenten werden können.  „Dank der Tatsache, dass der praktische Teil der  Ausbildung zwei Drittel ausmacht, habe ich im letzten Dreivierteljahr  viel Deutsch gelernt.“ 
Comara
Dabei „unterschlägt“ der filigrane junge Mann bescheiden,  dass er neben seiner Arbeit am Pflegebett jeden Tag mindestens  zwei Stunden zusätzlich lernt. Mit seinem Pflegevater  und mit Praxisanleiter Ralph Wagner. „Mein Pflegevater  würde die Theorie für meine Prüfung mittlerweile auch bestehen“,  lacht Sory Comara. „Nur in der Praxis hat er noch  Defizite“, schmunzelt er verschmitzt. Dabei musste der junge  Mann auch das Lernen erst einmal erlernen. Zwei Jahre  Schule in jungen Jahren waren da nicht viel Vorbereitung.  Ibrahima Sory Comara ist ehrgeizig, wissbegierig. Er kann  gut zuhören. „Das mögen die Patienten.“ Es sind wenige, die  sich von ihm nicht betreuen lassen möchten. „Dann sage ich  einem Kollegen Bescheid und der misst dann Fieber, Blutdruck,  fährt einen Patienten zur  nächsten Untersuchung – oder  macht, was ein Pflegeassistent so  macht.“

Das frühe Aufstehen, die Wochenendarbeit,  der Spätdienst – das war  am Anfang nicht so schön, gibt  Ibrahima Sory Comara zu. „Aber  den Menschen behilflich zu sein,  ihnen in schwerer Zeit beiseitezustehen,  sie aufzumuntern, das  macht mir Spaß, das wiegt alles  auf.“ – Auch wenn seine gleichaltrigen  Freunde manchmal nicht begeistert sind, dass er nicht  immer die Freizeit mit ihnen verbringen kann.

„Ibrahima hat das Zeug, weiterzumachen“, ist sich Ralph  Wagner sicher. Neben ihm unterstützt der gelernte Gesundheits-  und Krankenpfleger und freigestellte Praxisanleiter im  Rhein-Maas Klinikum zwei weitere Auszubildende mit Migrationshintergrund.  „Das Weitergeben von Wissen, zu sehen,  wie der Funke der Begeisterung für diesen Beruf überspringt,  macht mir Spaß“, beschreibt er seine Motivation. 
„Guten Morgen“, schallt es über den Flur – Pflegepersonal und  Patienten fühlen sich gleichermaßen von diesem fröhlich in  die Runde geworfenen Gruß angesprochen. Die 1,49 Meter  große Stations- und Pflegeteamleiterin Mechtild Hümbs ist  vom alten Schlag: herzlich, aber bestimmt.
Huembs
 „Ich habe einen tollen Beruf, einen prima Arbeitsplatz, nette  Kollegen“, sagt sie. Und das nach  immerhin 46 Jahren. Dabei war  Gesundheits- und Krankenpflegerin  am Anfang gar nicht ihr Wunschberuf.  „Ich wollte medizinische  Masseurin werden“, erinnert sie  sich schmunzelnd. Um die Zeit bis  zum Ausbildungsbeginn zu überbrücken,  machte sie ein Praktikum  im damaligen Knappschaftskrankenhaus.  Und ab diesem Zeitpunkt  spielte ihr das Schicksal in die Karten.  Die damalige Schwester Oberin machte ihr den Vorschlag,  Krankenpflegeassistentin zu werden. Schwester Mechtild  machte diese einjährige Qualifizierung – und im Anschluss daran  gleich die Krankenschwester-Ausbildung. Das Krankenhaus  wurde zu ihrer Welt: Hier lernte sie ihren Mann kennen  und ihren Sohn brachte sie auch hier zur Welt. 21 Jahre arbeitete  sie im Nachtdienst auf der Neurologie, jetzt ist sie in der  Urologie tätig.

Auf Station organisiert sie Dienstpläne, Patienten und Materialien.  Sie managt Betten und Zimmer – und achtet immer auf  die Wirtschaftlichkeit für das Krankenhaus. Das macht sie gut  gelaunt. „Wir sind freundlich, damit die Patienten Vertrauen  zu uns haben“, so ihr Credo. „Wenn ich den Patienten und  Mitarbeitern nett begegne, sind sie auch nett zu mir“, sagt  Mechtild Hümbs. Und nur wer spricht, dem kann geholfen werden.  Das Reden unterstütze Patienten  genauso, wie es Kollegen beim Ausräumen  von Unstimmigkeiten helfe.  Im Spätsommer hört Schwester Mechtild,  die auch Praxisanleiterin für den  pflegerischen Nachwuchs ist, auf. „Es  gibt doch das Lied ‚Niemals geht man  so ganz‘. Das gilt dann auch für mich“,  sagt sie. Sie plant, das Haus bei Messen  und Führungen zu unterstützen  oder Auszubildenden zur Seite zu stehen,  in Schulen Werbung für ihren Beruf  zu machen, Praktikanten zu begleiten, Schulsanitäter zu  unterweisen. „Ich bin und bleibe dem Haus verbunden. Und  ich habe ja auch was davon. Die Jungen profitieren von meinem  Engagement und Wissen – und ich lerne Dinge von ihnen,  mit denen ich mich vielleicht nicht beschäftigt hätte.“ Wobei  Langeweile bei Schwester Mechtild nicht aufkommt: Bei schönem  Wetter schippert sie durch die Gegend. Sie hat einen Motorbootführerschein  – und an Bord natürlich auch den Hut auf.

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