Pflegeschule - Internationale Kontakte

Seit 2016 besteht eine enge Kooperation mit der Berufsschule für Gesundheit Hüseyin Kalkavan aus Istanbul Sariyer.
Erneuter Besuch aus der Türkei: Pflegeschüler im Rhein-Maas Klinikum

Sechs PflegepraktikantInnen aus Istanbul bekommen Einblicke in den Alltag eines deutschen Krankenhauses.

Seit dem 26. Juni sind vier Praktikantinnen und zwei Praktikanten der Berufsschule für Gesundheit Hüseyin Kalkavan aus Istanbul Sariyer für sieben Wochen im Rhein-Maas Klinikum, um in verschiedene Fachbereiche der Pflege zu schnuppern. Während ihres ersten Krankenhauseinsatzes im Leben sollen die 17-jährigen Praktikanten in Deutschland grundpflegerische Tätigkeiten wie die Unterstützung bei der Körperpflege von Menschen mit Pflegebedarf, Prophylaxen, Essen austeilen, Puls- und Temperatur- sowie Blutzuckermessungen und die Begleitung zu Untersuchungen erlernen.
Ergänzend finden wöchentlich gemeinsame Runden mit dem Pflegedirektorium, Schulteam und SchülerInnen des Rhein-Maas Klinikum statt. Mittwochs und donnerstags gibt es in der Schule für Pflegeberufe des Rhein-Maas Klinikums Deutschunterricht, der von einer externen Dozentin gestaltet wird. Beim Aufbrechen der Sprachbarrieren helfen Auszubildende der Pflegeschule. Diese haben bei einer Hygieneschulung zu Beginn des Praktikums die Rollen der Dolmetscher übernommen.
„Unsere Gäste sollen sich vom ersten Tag an herzlich willkommen und angenommen fühlen“, ergänzt Sibylle Schmitz. SchülerInnen der Schule für Pflegeberufe des Rhein-Maas Klinikums übernehmen gern Patenschaften für die türkischen PraktikantInnen, sodass ein reger interkultureller und freundschaftlicher Austausch stattfinden kann. Auch nahmen Mitarbeiter des Würselener Krankenhauses einige Praktikanten für die Hospitanz bei sich auf.
"Die Patienten sind nett. Das Pflegepersonal ist immer freundlich, hilfsbereit und sehr kompetent. Die Ärzte sind freundlich zu uns." Sena Sensoy (17) war eine von vier türkischen Praktikantinnen, die sich vier Wochen lang im Medizinischen Zentrum der StädteRegion (MZ) mit den Abläufen eines deutschen Krankenhauses vertraut gemacht haben. Die Schülerinnen der Berufsschule für Gesundheit Hüseyin Kalkavan aus Istanbul Sariyer blickten in verschiedene medizinische Fachbereiche. Sie hatten die Funktionsbereiche wie OP und Notaufnahme kennengelernt, in der Geriatrie die Pflege älterer Menschen, die Palliativstation mit Menschen am Ende ihres Lebens, die Neurologie, wo Menschen mit erheblichen Beeinträchtigungen wie einem Schlaganfall oder Schüttellähmung gepflegt und behandelt werden und die Allgemein- und Viszeralchirurgie, um die Pflege von Patienten vor, während und nach Operationen zu erleben. "In der Türkei haben wir keine Palliativstation und keine Geriatrie. Auch fand ich es sehr interessant zu sehen, wie Logopäden Patienten nach einem Schlaganfall wieder das Sprechen beibringen", sagte Gizem Kovanci (17).
Nach der achten Klasse in der Türkei, besucht sie seit zwei Jahren die Pflegeschule, um als examinierte Krankenschwester nach vierjähriger Ausbildung im Krankenhaus zu arbeiten. In der Lehre verdient sie rund 110 Euro im Monat. Pflegekräfte in der Türkei arbeiten in zwei Schichten. "Wir arbeiten von 8 bis 16 Uhr oder von 16 bis 8 Uhr", erzählte Sena. Den jungen Praktikantinnen wurde der größte Unterschied der Krankenhäuser zwischen der Türkei und Deutschland schnell klar: Die Krankenschwestern in Deutschland kommen den Patienten sehr nahe. Neben den vielfältigen Pflegeaufgaben im Rahmen von Diagnostik, Therapie und Management waschen und betten sie auch die Patienten, reichen Nahrung an und führen sie bei Bedarf zur Toilette. Diese Aufgaben waren für die Gastschülerinnen völlig neu. "Das machen in der Türkei nur Pflegehelfer. Krankenpfleger sind dort eher distanziert", beschreibt die 18-jährige Beyza Sarac. Die ersten Berührungsängste zu Patienten baute die junge Schülerin im Pflegealltag des MZ schnell ab und nahm sich beim Abschlussgespräch vor, diese Erfahrung mit in die Türkei zu nehmen. "Wenn man freundlich zu den Patienten ist, haben sie viel mehr Vertrauen zu den Schwestern und Pflegern. Sie fühlen sich im Krankenhaus gleich wohler."
Neu für die Türkinnen war auch die offene Besuchszeit im MZ, denn in ihrer Heimat gibt es eine strenge Regelung der Besuchszeiten. "Zwischen 13 und 14 Uhr kommen viele Familienmitglieder zu den Patienten ins Krankenhaus. Sie bringen dann Essen mit, das vom Krankenhaus nicht selbstverständlich angeboten wird. Die vielen Familienangehörigen bleiben höchstens eine Stunde und müssen dann wieder gehen", wusste Nuran Kuruhasan (17). Besonders spannend fand sie den Einsatz im OP, weil "wir in der Türkei dort erst im vierten Lehrjahr eingesetzt werden."
Die Praktikantinnen wurden von Patienten, Schülern, Krankenpflegern und Ärzten gut aufgenommen. "Von Anfang an waren alle so nett zu uns. Oft hatten wir Schüler und Schülerinnen aus der Pflegeschule an unserer Seite, die uns geholfen und übersetzt haben. Die anderen haben langsam geredet, wenn es nötig war auch mit Händen und Füßen", erzählte Beyza.
"In der Schule des MZ fanden wir toll, dass die Lehrer und Schüler offen miteinander umgehen. Wenn jemand etwas nicht verstanden hat, dann kann er das sagen, und es wird nochmals erklärt oder gezeigt", stellte Gizem fest. "Und im Unterricht wird auch miteinander gelacht", ergänzte Nuran.
Die Organisation und Begleitung dieses ersten Schüleraustausches hatten die Leiterin der Pflegeschule Sibylle Schmitz und die stellvertretende Pflegedirektorin Dagmar Schirg übernommen. "Das waren die ersten Erfahrungen mit türkischen Pflegepraktikanten, die noch nicht so gut die deutsche Sprache sprechen. Alle Teamleitungen der Stationen und die Pflegeleitung des Hauses haben unsere Praktikantinnen unterstützt. Es war für alle sehr bereichernd zu sehen, wie rasch sich zwischenmenschliche Beziehungen positiv entwickeln können. Wenn sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mit gegenseitigem Respekt und Offenheit gegenüber Neuem begegnen und darauf einlassen, kann man viel miteinander und voneinander lernen", erklärte Sibylle Schmitz. "Ich freue mich, dass wir ein Krankenhaus sind, das insbesondere mit diesem Projekt die Offenheit gegenüber jedem Menschen und anderen Kulturen gezeigt und gelebt hat."
Reiner Bertrand von EUROTÜRK e. V. und Ümit Agirman vom Paul-Julius-Reuter Berufskolleg haben der Pflegeschule des Würselener Krankenhauses im Januar 2017 die Urkunde "Zeichen des Dankes" überreicht. Dies geschah im Auftrag der Schulleitung der Pflegeschule für Gesundheit Hüseyin Kalkavan aus Istanbul Sariyer in der Türkei.
Grund für die Auszeichnung ist ein mehrwöchiges Praktikum von acht Praktikantinnen und einem Praktikanten im Sommer vergangenen Jahres. Die Vertreter ließen ausrichten, dass die türkischen Jugendlichen die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fachkompetenz im MZ gegenüber ihrer Schulleitung und ihren Mitschülern lobten und sich noch gerne an ihre Praktika in OP, Notaufnahme, Geriatrie, Neurologie, Chirurgie und der Palliativstation erinnern.
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